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Natura Nova – traditionelle europäisch bewährte Rezepturen
Natura Nova – traditionell europäisch bewährte Rezepturen

Natura Nova

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Eschen auf grüner Weise

Gemeine Esche, Baum des Jahres 2027: Yggdrasil, Eschenkapern und ein Tee mit Geschichte

Die Gemeine Esche ist Baum des Jahres 2027 – ein guter Anlass, einen der vielseitigsten Bäume Europas neu zu entdecken: als Riese der Auwälder, als Hauptfigur nordischer Sagen, als Holz für Werkzeugstiele und Parkett, als Blattlieferantin für Tee und sogar als Zutat für „Eschenkapern“ in der Küche. Wer die Esche einmal kennt, sieht sie plötzlich überall.

Gemeine Esche: ein Riese mit schwarzen Knospen und gefiederten Blättern

Am leichtesten erkennt man die Gemeine Esche (Fraxinus excelsior) im Winter. Dann stehen an den Zweigspitzen ihre schwarzen, leicht filzigen Knospen, die Endknospe auffallend gross und wie eine kleine Pyramide geformt. Im April und Mai, noch bevor ein einziges Blatt da ist, erscheinen dunkelrote Blütenbüschel. Sie werden vom Wind bestäubt, nicht von Insekten. Erst spät im Frühling treiben die Blätter aus: bis zu 40 Zentimeter lang, aus 9 bis 13 gesägten Fiederblättchen zusammengesetzt, die einander am Stiel gegenüberstehen. Im Herbst fallen sie oft noch grün zu Boden.

Mit bis zu 40 Metern Höhe gehört die Esche zu den grössten heimischen Laubbäumen, und ein Alter von rund 300 Jahren ist möglich. Die Rekordesche der Schweiz bringt es laut Landesforstinventar sogar auf 45 Meter Höhe und 80 Zentimeter Stammdurchmesser in Brusthöhe. Botanisch gehört die Esche zu den Ölbaumgewächsen, also zur Familie des Olivenbaums. Zu den Verwandten zählen ausserdem Flieder, Forsythie und der heimische Liguster – ein Hauch Mittelmeer mitten im mitteleuropäischen Wald.

Im Herbst bildet die Esche ihre Früchte: etwa drei Zentimeter lange Nüsschen mit einem zungenförmigen Flügel, die in Büscheln hängen. Weil sie beim Fallen rotieren, werden sie auch „Schraubenflieger“ genannt. Der Wind trägt sie weit vom Baum weg, und oft bleiben sie bis ins Frühjahr hängen. Auf dem Land kennt man zur Esche sogar eine Bauernregel: Grünt die Eiche vor der Esche, soll ein feuchter Sommer folgen, grünt die Esche zuerst, ein trockener.

Merkmal Gemeine Esche (Fraxinus excelsior)
Familie Ölbaumgewächse, verwandt mit Olive, Flieder und Liguster
Höhe und Alter bis rund 40 Meter, bis rund 300 Jahre
Winterbild schwarze, filzige Knospen, grosse Endknospe
Blätter gegenständig, gefiedert, 9 bis 13 Blättchen
Blüte April bis Mai, vor dem Laubaustrieb, windbestäubt
Früchte geflügelte Nüsschen, reif ab Herbst
Lieblingsstandort nährstoffreiche, gut mit Wasser versorgte Böden, Auwälder, auch Kalkstandorte

Warum die Esche 2027 im Rampenlicht steht und warum das Mut macht

Seit 1989 kürt die Dr. Silvius Wodarz Stiftung jedes Jahr einen Baum des Jahres. Die Auszeichnung kommt aus Deutschland, lenkt aber den Blick auf Baumarten, die ebenso in Schweizer Wäldern, Parks und Auen wachsen. Für 2027 fiel die Wahl auf die Gemeine Esche, die den Titel schon einmal getragen hat, nämlich 2001. Ausgerufen wurde sie im Herbst 2026 in Berlin, begleitet von der neuen Deutschen Baumkönigin Maria Huisinga als Botschafterin.

Die Esche ist ein Baum der Auwälder, jener Wälder, die entlang von Flüssen immer wieder überflutet werden und besonders artenreich sind. Gemeinsam mit Silberweide, Stieleiche und Ulme prägt sie diese Landschaften. Mit ihrem tiefen Wurzelwerk festigt sie Böschungen und Hänge, und sie kommt sowohl mit Feuchtigkeit als auch mit Trockenheit erstaunlich gut zurecht. Genau deshalb passt sie so gut in eine Zeit, in der viele Menschen wieder wissen möchten, welche Bäume vor ihrer Haustür wachsen.

Dazu gehört auch die ganze Geschichte: Seit Anfang der 2000er-Jahre macht ein aus Ostasien eingeschleppter Pilz, das Falsche Weisse Stängelbecherchen, vielen Eschen zu schaffen, auch in der Region Basel. Die Stiftung nutzt die Wahl deshalb, um Aufmerksamkeit zu schaffen – und um Hoffnung zu machen. Es gibt Eschen, die sich als widerstandsfähig zeigen, die Verjüngung läuft vielerorts gut, und Forschungsprojekte suchen gezielt nach den vitalen Bäumen, um ihre genetische Vielfalt zu sichern. In der Forstpraxis spricht man von „Mut zur Esche“. Der Titel 2027 ist also vor allem eine Einladung, diesen Baum neu wertzuschätzen.

Yggdrasil und Eschenspeer: wie die Esche Kulturgeschichte schrieb

Kaum ein anderer Baum steckt so tief in unseren Geschichten. In der nordischen Mythologie ist die Weltenesche Yggdrasil der Baum, der Himmel, Erde und Unterwelt verbindet. In der Edda wird er als Esche beschrieben, an dessen Wurzeln die Schicksalsgöttinnen, die Nornen, sitzen, und unter dessen Zweigen die Götter täglich zusammenkommen. Auch die ersten Menschen stammen der Sage nach von Bäumen ab: Askr, der Mann, aus einer Esche, Embla, die Frau, aus einer Ulme. Das altnordische Wort „askr“ bedeutet schlicht „Esche“.

Der deutsche Name selbst geht auf das althochdeutsche „ask“ zurück, das auch „Speer“ oder „Bogen“ bedeutete. Das kommt nicht von ungefähr: Eschenholz war so begehrt für Waffen, dass sogar Achilles’ Speer und Amors Pfeile der Überlieferung nach aus Esche gewesen sein sollen. Im Französischen lebt das lateinische „fraxinus“ im „frêne“ weiter und in vielen Ortsnamen wie Fresnes oder Fresnoy. Und wer in der Schweiz im Dialekt von der „Äschä“ oder „Eisch“ spricht, spricht von demselben Baum.

Eschenholz: elastisch, zäh und in vielen Alltagsgegenständen zu Hause

Das Holz der Esche zählt zu den wertvollsten Laubhölzern und übertrifft das der Eiche in Zug-, Biege- und Schlagfestigkeit. Es ist fest und zugleich elastisch, was die Esche zum Material für alles macht, was Belastung aushalten soll: Werkzeugstiele, Sportgeräte, Möbel, Parkett. Auch im Boots- und Schiffsbau und für Musikinstrumente hat man es traditionell geschätzt. Viele Tischlerinnen und Tischler lieben es ausserdem wegen seiner lebendigen, hellen Maserung.

Wer zu Hause hinschaut, findet die Esche oft ohne es zu merken: im Stiel des Hammers, im Parkett des Wohnzimmers, im Griff der Axt, im Sportgerät aus dem Keller. Für den Aussenbereich ist Eschenholz weniger geeignet, weil es nicht sehr witterungsbeständig ist. Im Innenausbau und bei Sonderanfertigungen dagegen spielt es seine Stärken voll aus. Ein gutes Argument, beim nächsten Möbelkauf einmal nach einheimischem Holz zu fragen.

Eschenlaub als Wintervorrat: wie Bauern früher mit der Esche wirtschafteten

Eine der schönsten und am wenigsten bekannten Geschichten der Esche spielt auf dem Bauernhof. Schon in der Jungsteinzeit diente ihr Laub als Viehfutter. Dafür schnitt man im Sommer belaubte Zweige ab, trocknete sie und lagerte sie als „Laubheu“ für den Winter ein. Diese Technik heisst Schneitelung, und im Alpenraum ist sie seit der Bronzezeit belegt. Unter den Futterlaubbäumen gehörte die Esche zu den beliebtesten, neben Feldahorn, Ulme, Linde und Eiche.

Die Esche ist dafür wie gemacht, denn sie schlägt nach dem Schnitt kräftig wieder aus. Manche Schneitelbäume wurden so mehrere hundert Jahre alt und haben bis heute ihre typische Form: ein dicker, knorriger Stamm, aus dem oben ein Büschel Triebe wächst, fast wie ein Besen oder eine Faust. Wer in Bergtälern oder an alten Weiden aufmerksam wandert, kann solche „Kopfeschen“ noch entdecken. Sie erzählen von einer Zeit, in der der Wald ein Teil der Landwirtschaft war.

Eschenblätter als Tee: eine alte Tradition der Pflanzenkunde

Auch in der Pflanzenkunde hat die Esche einen festen Platz. Schon der griechische Arzt Dioskurides erwähnte sie vor rund 2000 Jahren in seinem berühmten Pflanzenbuch, in dem er etwa 800 Pflanzen beschrieb. Traditionell werden für den Tee die jungen Blätter im Mai und Juni gesammelt, ohne Stiel, und luftig getrocknet. Mit heissem Wasser übergossen ergeben sie einen Aufguss, der in der europäischen Kräutertradition seit Jahrhunderten bekannt ist. Die Qualität der getrockneten Eschenblätter ist im Europäischen Arzneibuch festgelegt, und die Europäische Arzneimittelagentur führt dazu eine eigene Monografie als traditionell verwendete Tee-Zubereitung.

Wer Eschenblättertee ausprobieren möchte, greift am besten zu Ware aus der Apotheke oder Drogerie, denn dort sind Qualität und Herkunft geprüft und die Zubereitung auf der Packung beschrieben. Beim Selbstsammeln gilt: nur Bäume, die man sicher bestimmen kann. Eine einfache Hilfe ist die Blattstellung, denn Eschenblätter stehen gegenüber am Zweig, während zum Beispiel Eberesche und Götterbaum, die mit ihren gefiederten Blättern leicht verwechselt werden, wechselständig wachsen.

Eschenblättertee ist allerdings nichts für jede Lebenslage. Für Schwangerschaft und Stillzeit liegen keine ausreichenden Daten vor, weshalb er dort nicht empfohlen wird, und auch für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sind die Daten zu dünn. Wer aus medizinischen Gründen wenig trinken soll, etwa bei schwerer Herz- oder Nierenerkrankung, lässt ihn ebenfalls weg. Im Zweifel hilft ein kurzes Gespräch in der Apotheke.

Eschenkapern und junge Triebe: was die Esche in der Küche kann

Die Esche hat auch eine kulinarische Seite, die fast in Vergessenheit geraten ist. Ihre jungen, noch grünen Flügelfrüchte, im Englischen „ash keys“ („Eschenschlüssel“) genannt, wurden früher eingelegt und ähnlich wie Kapern verwendet. In englischen Kochbüchern des 17. und 18. Jahrhunderts finden sich gleich mehrere Rezepte dafür, John Evelyn beschrieb eines schon 1699. Das Einlegen gilt als altes Verfahren, das in Europa und Asien bekannt ist, und ergibt eine pikante Würze.

Entscheidend ist der Zeitpunkt: Die Früchte müssen sehr jung und grün sein, bevor sich im Flügel feine, zähe Fasern bilden. Ein einfacher Test: Lässt sich eine Frucht knackig durchbrechen, ist sie richtig. Zubereitet werden sie im Prinzip in drei Schritten. Zuerst werden sie in mehreren frischen Wassern kurz gekocht, um die Bitterkeit zu mildern. Dann kommen sie in einen Sud aus Essig, etwas Zucker und Wasser, gewürzt mit Pfefferkörnern, Lorbeer und je nach Geschmack Ingwer oder Nelke. Zum Schluss dürfen sie im Glas ziehen, oft mehrere Wochen bis zu etwa drei Monaten. Ein Rezept für Geduldige und für alle, die ihre Speisekammer gern mit Besonderem füllen.

Auch junge Triebe und zarte Blätter sind essbar und werden gelegentlich als kleine Beigabe zum Salat verwendet. Wie bei allem Wildem gilt: sparsam probieren, nur sicher Bestimmtes pflücken und von jedem Baum nur wenig nehmen. Gerade bei der Esche, die in manchen Gegenden Mühe hat, wünscht sich jeder Baum Rücksicht.

Zehn Alltagstipps, um die Esche 2027 zu entdecken

1. Im Winter nach den schwarzen Knospen Ausschau halten

Der Winter ist die beste Bestimmungszeit. Ohne Laub fallen die schwarzen, filzigen Knospen und die gegenständig angeordneten Zweige sofort auf. Wer einmal darauf achtet, findet bei jedem Spaziergang eine Esche, in Parks, an Bachläufen und an Strassenrändern gleichermassen.

2. Die Blüte vor dem Laub beobachten

Im April und Mai lohnt sich ein Blick nach oben: Dunkelrote Blütenbüschel erscheinen, bevor die Esche Blätter trägt. Ein Fernglas oder die Kamera am Handy macht aus dem unscheinbaren Moment ein kleines Naturschauspiel, und es ist ein schöner Anlass, mit Kindern über Windbestäubung zu sprechen.

3. Einen Auwald-Spaziergang planen

Die Esche fühlt sich besonders in Auenwäldern wohl. Wer einen Flusslauf in der Nähe hat, findet dort oft ganze Eschenbestände, dazu Weiden, Eichen und Ulmen. Ein Spaziergang im Auwald verbindet Bewegung an der frischen Luft mit Baumkunde zum Anfassen.

4. Flügelfrüchte sammeln und fliegen lassen

Im Herbst kann man die Schraubenflieger aufsammeln und vom Balkon oder einer Mauer werfen. Sie drehen sich beim Fallen wie kleine Propeller. Ein einfaches Experiment für Kinder, aber auch ein unterhaltsamer Beweis dafür, wie clever die Natur Wege erfindet, Samen zu verbreiten.

5. Eschenholz zu Hause entdecken

Ein Rundgang durch Werkstatt, Keller und Wohnzimmer lohnt sich: Werkzeugstiele, Parkett, Sportgeräte und Möbel sind häufig aus Esche. Beim nächsten Einkauf lässt sich gezielt nach heimischem Holz fragen, und jedes Stück erzählt dann ein bisschen Waldgeschichte weiter.

6. Eschenkapern im Frühsommer ansetzen

Wenn die jungen grünen Früchte noch zart sind, lässt sich ein kleines Glas Eschenkapern ansetzen. Ein einziges Glas reicht, denn sie brauchen Wochen zum Durchziehen. Wichtig ist, nur wenige Fruchtbüschel zu nehmen und den Baum ansonsten in Ruhe zu lassen.

7. Zarte Blätter im Salat probieren

Ein paar junge Eschenblätter, fein gehackt unter einen Frühlingssalat gemischt, sind ein kleines Experiment für Neugierige. Wer es sanft angehen will, beginnt mit sehr wenig und vergleicht es mit anderen Wildkräutern, die man schon kennt.

8. Eschenblättertee mit Bedacht auswählen

Wer den traditionellen Tee kennenlernen will, fragt in der Apotheke oder Drogerie nach geprüfter Ware und liest die Zubereitungsangaben auf der Packung. Ein spannender Einstieg für alle, die sich ohnehin gern mit europäischer Pflanzentradition beschäftigen. Die Sicherheitshinweise aus dem Abschnitt zum Tee gelten auch hier.

9. Schneitelbäume und Kopfeschen entdecken

Auf Wanderungen durch alte Kulturlandschaften lohnt sich der Blick für Bäume mit knorrigem, dickem Stamm und einem Büschel Triebe oben. Wer einen findet, hat ein lebendiges Stück bäuerlicher Geschichte vor sich, oft mehrere Jahrhunderte alt.

10. Mithelfen, dass es die Esche weiter gibt

Wer eine vitale Esche im Garten oder in der Nachbarschaft kennt, kann sie mit Wertschätzung bedenken. Förster empfehlen, gesunde, kräftige Eschen stehen zu lassen, denn sie sind der Schlüssel für die Zukunft der Art. Wer mehr wissen will, fragt beim lokalen Forstbetrieb nach, wie es den Eschen in der Region geht und was dort für sie getan wird.

Fazit: Wer die Esche kennt, sieht den Wald mit anderen Augen

Die Gemeine Esche als Baum des Jahres 2027 vereint vieles, was Pflanzenkunde so reizvoll macht: eine faszinierende Biologie von den schwarzen Winterknospen bis zum Schraubenflieger, jahrtausendealte Geschichten von Yggdrasil bis zum Eschenspeer, ein Holz, das uns täglich begleitet, und eine Küche, die erstaunliche Entdeckungen bereithält. Dazu kommt der Reiz des Selbstentdeckens, denn die Esche wächst fast überall in der Nähe. Mit offenen Augen im Winter, einem Spaziergang im Auwald im Frühling und einem Glas Eschenkapern im Frühsommer wird 2027 zum Eschenjahr, das man nicht so schnell vergisst.


Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information über die Gemeine Esche und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei gesundheitlichen Beschwerden wenden Sie sich bitte an eine Ärztin, einen Arzt oder eine Apotheke.


Quellen

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