Zahnschmelz, Zahnfleisch und die bakterielle Balance im Mund reagieren nicht nur auf Zahnbürste und Zahnseide, sondern auch auf gezielt zugeführte Nährstoffe und Wirkstoffe. Xylit, Hydroxylapatit, orale Probiotika, Kalzium, Vitamin D und Vitamin C tauchen in diesem Zusammenhang immer wieder auf. Doch welche dieser Substanzen halten einer genaueren Prüfung der Studienlage stand, und wo bleibt die Evidenz dünn oder widersprüchlich?
Xylit senkt in Studien die Zahl der Kariesbakterien im Speichel – der Kariesschutz selbst ist weniger klar belegt
Xylit ist ein Zuckeralkohol, der in geringen Mengen natürlich in verschiedenen Früchten und Gemüsesorten vorkommt und für die Verwendung in Zahnpflegeprodukten meist industriell aus Birkenholz oder Maiskolben gewonnen wird. Sein Wirkprinzip: Streptococcus mutans, das Leitbakterium der Kariesentstehung, kann Xylit kaum verstoffwechseln, was seinen Energiehaushalt stört und seine Vermehrung bremst. Beim Kauen von xylithaltigem Kaugummi wird zusätzlich der Speichelfluss angeregt, was ebenfalls zur Pufferung von Säuren im Mund beiträgt.
Ein Cochrane-Review (RCT-Übersichtsarbeit, Riley et al., 2015) wertete zahlreiche randomisiert-kontrollierte Studien zu xylithaltigen Kaugummis, Lutschtabletten, Zahnpasten und Tüchern bei Kindern und Erwachsenen aus. Die Autoren kamen zum Schluss, dass die Evidenz aufgrund heterogener Studienqualität nicht ausreichte, um die Wirksamkeit von Xylit-Produkten zur Kariesprävention eindeutig zu belegen. Neuere systematische Übersichtsarbeiten (2022–2024) zeigen ein gemischtes Bild: In der Mehrzahl der eingeschlossenen Studien reduzierte Xylit-Kaugummi die Zahl der Streptococcus-mutans-Bakterien im Vergleich zu Kaugummi mit anderen Zuckeraustauschstoffen, während sich der direkte Effekt auf die Kariesentstehung über die Studien hinweg uneinheitlich darstellt. Die Datenlage deutet somit auf eine bakterienhemmende Wirkung hin, ein in allen Studien reproduzierbarer Kariesschutz lässt sich daraus aber nicht ableiten.
In der Praxis wird Xylit meist über Kaugummi, Lutschtabletten oder Zahnpasta zugeführt und nicht als klassische Kapsel geschluckt. Für Personen mit Diabetes ist relevant, dass Xylit den Blutzuckerspiegel kaum beeinflusst. In grösseren Mengen – über verschiedene Lebensmittel und Produkte summiert – kann Xylit aufgrund seiner osmotischen Eigenschaften abführend wirken oder Blähungen verursachen, was insbesondere bei Kindern zu beachten ist. Für Haushalte mit Hunden ist zudem wichtig, xylithaltige Produkte sicher aufzubewahren, da Xylit für Hunde giftig ist.
Hydroxylapatit remineralisiert Zahnschmelz in klinischen Studien ähnlich wirksam wie Fluorid
Hydroxylapatit ist ein Kalziumphosphat-Mineral und der Hauptbestandteil des natürlichen Zahnschmelzes. In Zahnpflegeprodukten kommt es meist in mikro- oder nanokristalliner Form zum Einsatz und soll sich in feine Läsionen der Zahnoberfläche einlagern und dort die Remineralisierung unterstützen.
Eine randomisiert-kontrollierte Studie an kieferorthopädisch behandelten Personen mit erhöhtem Kariesrisiko (Schlagenhauf et al., 2019) verglich eine fluoridfreie Zahnpasta mit mikrokristallinem Hydroxylapatit über sechs Monate mit einer Zahnpasta mit 1400 ppm Fluorid. Die Kariesprogression unterschied sich zwischen den beiden Gruppen nicht signifikant – Hydroxylapatit erwies sich als nicht unterlegen. Eine weitere randomisiert-kontrollierte Studie bei Kindern über ein Jahr kam zu einem vergleichbaren Ergebnis zwischen einer fluoridfreien Hydroxylapatit-Zahnpasta und einer Fluorid-Zahnpasta. In-situ- und In-vitro-Untersuchungen bestätigen ein vergleichbares Remineralisierungspotenzial beider Wirkstoffe.
Wichtig für die Einordnung: Diese Studienlage bezieht sich auf die lokale Anwendung in Zahnpasta oder Mundspülung, nicht auf eine systemische Zufuhr über Kapseln. Hydroxylapatit wird nicht geschluckt, sondern direkt im Mund angewendet – es zählt damit eigentlich zur Zahnpflege im engeren Sinn, wird aber in ganzheitlichen Mundpflege-Routinen häufig zusammen mit Nahrungsergänzungsmitteln beworben. Es gilt allgemein als gut verträglich und stellt für Personen, die Fluorid bewusst vermeiden möchten, eine untersuchte Alternative dar – wobei Fluorid nach wie vor über die längste und breiteste Evidenzbasis verfügt.
Bestimmte Probiotika-Stämme wie Streptococcus salivarius K12 zeigen Wirkung bei Zahnfleischentzündung – allgemeine Bakterienstämme nicht automatisch
Orale Probiotika unterscheiden sich von den meisten Darm-Probiotika: Untersucht werden hier vor allem spezifische Stämme wie Streptococcus salivarius K12 und M18, die im Mund natürlich vorkommen und dort mit krankheitsassoziierten Bakterien um Bindungsstellen konkurrieren und antibakterielle Peptide (Salivaricine) bilden.
Eine randomisiert-kontrollierte Studie mit dem M18-Stamm zeigte im Vergleich zu Placebo eine signifikante Reduktion von Zahnfleischentzündung und Blutung bei Sondierung. Eine weitere randomisiert-kontrollierte Studie mit Lutschtabletten, die K12 und M18 kombinierten, verbesserte bei Personen mit hohem Kariesrisiko mehrere sogenannte Cariogram-Parameter, die das individuelle Kariesrisiko abbilden. Bei Mundgeruch ist die Evidenz gemischter: In einer randomisiert-kontrollierten Studie sank die Konzentration flüchtiger Schwefelverbindungen zwar während der Einnahme von K12-Tabletten bei zungenbelagbedingtem Mundgeruch, der Effekt liess jedoch nach Absetzen wieder nach, wenn zuvor keine mechanische Zungenreinigung stattgefunden hatte – ein Hinweis darauf, dass Probiotika die mechanische Reinigung ergänzen, aber nicht ersetzen können.
Für Konsumentinnen und Konsumenten ist die genaue Stammbezeichnung entscheidend: Nicht jedes Probiotikum ist ein orales Probiotikum, auch wenn es Milchsäure- oder Bifidobakterien enthält. Seriöse Produkte weisen den konkreten Bakterienstamm sowie die Menge in koloniebildenden Einheiten (KBE, englisch CFU) pro Tagesdosis aus – nur so lässt sich beurteilen, ob die enthaltene Menge überhaupt in der in Studien untersuchten Grössenordnung liegt. Orale Probiotika gelten bei gesunden Personen, einschliesslich Kindern, generell als gut verträglich; bei stark geschwächtem Immunsystem oder liegendem zentralvenösem Katheter wird zur Vorsicht geraten. Ein zeitlicher Abstand zur Einnahme von Antibiotika kann sinnvoll sein, um die Lebensfähigkeit der Bakterienstämme zu erhalten.
Kalzium und Vitamin D senkten in einer kontrollierten Studie das Risiko für Zahnverlust deutlich
Kalzium ist am Aufbau und Erhalt normaler Knochen beteiligt, und auch der Kieferknochen, der die Zähne verankert, unterliegt diesem Stoffwechsel. Vitamin D ist an der Regulierung des Kalzium- und Phosphathaushalts beteiligt und damit indirekt ebenfalls relevant für die Knochendichte im Kieferbereich.
In einer dreijährigen randomisiert-kontrollierten Studie an 145 gesunden Personen ab 65 Jahren (Krall et al., 2001), die ursprünglich zur Untersuchung von Knochenverlust an der Hüfte angelegt war, wurde der Zahnverlust als Nebenzielgrösse erfasst: In der Gruppe mit Kalzium- und Vitamin-D-Supplementierung verloren 13 Prozent mindestens einen Zahn, in der Placebogruppe waren es 27 Prozent. Eine einzelne, wenn auch randomisiert-kontrollierte Studie mit einer als Nebenzielgrösse erfassten Beobachtung ersetzt keine grösser angelegte Bestätigungsstudie, weist aber in eine klare Richtung. Eine aktuellere systematische Übersichtsarbeit (2025) zur Vitamin-D-Gabe als Ergänzung zur nicht-chirurgischen Parodontaltherapie kommt insgesamt zu einem uneinheitlichen Bild: Die eingeschlossenen randomisiert-kontrollierten Studien zeigten keinen konsistenten Effekt auf Sondierungstiefe oder klinisches Attachmentniveau. Auch bevölkerungsbezogene Beobachtungsstudien zum Zusammenhang zwischen Kalzium- beziehungsweise Vitamin-D-Zufuhr und Parodontitis liefern kein einheitliches Bild.
Kalzium und Vitamin D wirken damit vor allem über den Weg der Knochenstoffwechsel-Beteiligung und weniger über einen direkten Effekt auf Zahnschmelz oder Plaque. Bei der Anwendung ist zu beachten, dass eine hohe Kalziumzufuhr über Supplemente mit einem erhöhten Risiko für Nierensteine in Verbindung gebracht wird und Kalzium die Aufnahme bestimmter Medikamente wie Tetracycline, Bisphosphonate oder Schilddrüsenhormone beeinträchtigen kann – ein zeitlicher Abstand zur Einnahme wird empfohlen. Bei Nierenerkrankungen oder granulomatösen Erkrankungen wie Sarkoidose sollte eine Vitamin-D-Supplementierung nur nach ärztlicher Abklärung erfolgen.
Vitamin C lindert Zahnfleischbluten in Studien, verändert aber die Zahnfleischtaschen nicht
Vitamin C ist an der körpereigenen Kollagenbildung beteiligt, die auch für das Bindegewebe des Zahnfleischs relevant ist. Historisch ist der Zusammenhang durch Skorbut bekannt, den schweren Vitamin-C-Mangel, der unter anderem mit Zahnfleischbluten und Zahnverlust einhergeht.
Eine systematische Übersichtsarbeit (2020, sechs randomisiert-kontrollierte Studien) zur Vitamin-C-Supplementierung als Ergänzung zur nicht-chirurgischen Parodontaltherapie kommt zu einem differenzierten Ergebnis: Vitamin C verbesserte Blutungsindizes, also Marker für Zahnfleischentzündung, führte jedoch zu keiner statistisch signifikanten Verbesserung von Sondierungstiefe oder klinischem Attachmentgewinn bei bereits bestehender Parodontitis. Eine weitere randomisiert-kontrollierte Studie zu einer Kombination aus Vitamin C, Vitamin E, Lysozym und Carbazochrom zeigte eine Reduktion der Zahnfleischentzündung – hier lässt sich der Effekt allerdings nicht auf Vitamin C allein zurückführen.
Vitamin C wirkt damit am ehesten unterstützend bei bestehender Zahnfleischentzündung, ist aber kein Ersatz für die Behandlung einer fortgeschrittenen Parodontitis. In hohen Dosen von mehreren Gramm täglich kann Vitamin C Magen-Darm-Beschwerden auslösen. Bei einer Veranlagung zu oxalathaltigen Nierensteinen oder bei der Eisenspeicherkrankheit Hämochromatose – Vitamin C erhöht die Eisenaufnahme aus der Nahrung – ist eine ärztliche Abklärung vor höher dosierter Supplementierung sinnvoll.
| Inhaltsstoff | Beobachtete Wirkung laut Forschung | Typische Anwendungsform | Massgeblicher Studientyp |
|---|---|---|---|
| Xylit | Hemmt Streptococcus mutans, uneinheitlicher Kariesschutz | Kaugummi, Lutschtablette, Zahnpasta | RCT-Übersichtsarbeit (Cochrane) |
| Hydroxylapatit | Remineralisiert Zahnschmelz, vergleichbar mit Fluorid | Zahnpasta, Mundspülung (lokal) | RCT (Mensch) |
| Orale Probiotika (z. B. S. salivarius K12/M18) | Reduziert Zahnfleischentzündung, verbessert Kariesrisikoparameter | Lutschtablette | RCT (Mensch) |
| Kalzium & Vitamin D | Unterstützen Kieferknochen-Stoffwechsel, Effekt auf Zahnverlust in einer Studie | Kapsel, Tropfen | RCT (Nebenzielgrösse) & Beobachtungsstudien |
| Vitamin C | Verbessert Blutungsindizes, kein Effekt auf Zahnfleischtaschen | Kapsel, Tablette | Systematische Übersicht (RCTs) |
Woran lässt sich ein seriös formuliertes Mundpflege-Präparat erkennen?
Bei der Bewertung von Nahrungsergänzungsmitteln für die Mundgesundheit lohnt sich der Blick auf drei Punkte. Erstens die Dosierung: Sie sollte sich an den in Studien untersuchten Mengen orientieren, auch wenn – insbesondere bei Xylit oder Hydroxylapatit – die relevante Studienlage meist zu lokal angewendeten Zahnpflegeprodukten und nicht zu geschluckten Kapseln vorliegt. Zweitens die Transparenz der Formulierung: Seriöse Hersteller weisen die Menge jedes einzelnen Inhaltsstoffs offen aus, statt sie hinter proprietären Sammelbegriffen zu verstecken; bei Probiotika gehört dazu zwingend die konkrete Stammbezeichnung und die Menge in koloniebildenden Einheiten. Drittens unabhängige Labortests: Prüfungen durch externe Labore auf tatsächlichen Wirkstoffgehalt, Schadstofffreiheit und – bei Probiotika – die Keimzahl zum Zeitpunkt der Einnahme statt nur bei der Herstellung schaffen zusätzliche Verlässlichkeit. Aussagen, ein Präparat könne Karies "heilen" oder einen Zahnarztbesuch überflüssig machen, sind unabhängig vom Inhaltsstoff ein Warnsignal.
Nahrungsergänzung ersetzt weder Zahnbürste und Zahnseide noch die zahnärztliche Behandlung
Keiner der hier besprochenen Inhaltsstoffe kann die mechanische Entfernung von Zahnbelag durch zweimal tägliches Zähneputzen und die Reinigung der Zahnzwischenräume ersetzen. Auch professionelle Zahnreinigungen und die zahnärztliche Diagnostik und Behandlung bestehender Erkrankungen – von Karies über Parodontitis bis zu Zahnfleischrückgang – bleiben unverzichtbar. Nahrungsergänzungsmittel und angereicherte Zahnpflegeprodukte können diese Routine bestenfalls sinnvoll ergänzen, insbesondere bei nachgewiesenem Nährstoffmangel oder als zusätzliche Massnahme neben der zahnärztlichen Behandlung, nicht aber an ihre Stelle treten.
Fazit: uneinheitliche, aber differenzierbare Evidenz
Die Evidenzlage zu den sechs untersuchten Inhaltsstoffen ist uneinheitlich. Am besten durch randomisiert-kontrollierte Studien abgesichert sind die lokale Anwendung von Hydroxylapatit zur Remineralisierung sowie bestimmter, genau bezeichneter Probiotika-Stämme bei Zahnfleischentzündung. Bei Xylit zeigt sich eine bakterienhemmende Wirkung klarer als ein durchgehend reproduzierbarer Kariesschutz. Kalzium und Vitamin D stützen sich vor allem auf eine einzelne, wenn auch aussagekräftige Studie zum Zahnverlust im Alter, während neuere systematische Übersichtsarbeiten zur Parodontitis kein einheitliches Bild liefern. Vitamin C zeigt einen Effekt auf Zahnfleischbluten, aber nicht auf tiefere Parodontalparameter. Für Konsumentinnen und Konsumenten bleibt entscheidend, Dosierung, Formulierungstransparenz und unabhängige Prüfungen kritisch zu vergleichen – und Nahrungsergänzung stets als Ergänzung, nicht als Ersatz der etablierten Mundhygiene zu verstehen.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information über Nahrungsergänzungsmittel für die Zahn- und Mundgesundheit und ersetzt keine ärztliche oder zahnärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei gesundheitlichen Beschwerden wenden Sie sich bitte an eine Ärztin, einen Arzt, eine Zahnärztin, einen Zahnarzt oder eine Apotheke.
Quellen:
- Riley P, et al. Xylitol‐containing products for preventing dental caries in children and adults. Cochrane Database Syst Rev. 2015. PMID: 25809586
- Pienihäkkinen K, et al. The effect of xylitol chewing gums and candies on caries occurrence in children. Eur Arch Paediatr Dent. 2024. PMID: 38430364
- Schlagenhauf U, et al. Impact of a non‐fluoridated microcrystalline hydroxyapatite dentifrice on enamel caries progression. J Investig Clin Dent. 2019. DOI: 10.1111/jicd.12399
- Impact of a toothpaste with microcrystalline hydroxyapatite on the occurrence of early childhood caries: a 1-year randomized clinical trial. PMC7846568
- Antigingivitis and Antiplaque Effects of Oral Probiotic Containing the Streptococcus salivarius M18 Strain. PMC10535351
- Effect of Probiotic Streptococcus salivarius K12 and M18 Lozenges on the Cariogram Parameters of Patients With High Caries Risk. PMC9012604
- The Effect of Streptococcus salivarius K12 on Halitosis: a Double-Blind, Randomized, Placebo-Controlled Trial. Probiotics Antimicrob Proteins. 2020. DOI: 10.1007/s12602-020-09646-7
- Krall EA, et al. Calcium and vitamin D supplements reduce tooth loss in the elderly. Am J Med. 2001;111:452–456. DOI: 10.1016/S0002-9343(01)00899-3
- The Effectiveness of Vitamin D Supplementation in Association with Non-Surgical Periodontal Therapy: A Systematic Review. PMC13115057
- Efficacy of vitamin C supplementation as an adjunct in the non-surgical management of periodontitis: a systematic review. Syst Rev. 2020. DOI: 10.1186/s13643-020-01554-9