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Natura Nova – traditionelle europäisch bewährte Rezepturen
Natura Nova – traditionell europäisch bewährte Rezepturen

Natura Nova

Entdecke Natura Nova: sorgfältig zusammengestellte Rezepturen auf Basis traditionell bewährter europäischer Kräuter.

Statt kurzfristigen Trends setzen wir auf klare, nachvollziehbare Inhaltsstoffe und eine bodenständige, europäische Pflanzenkunde.

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Frische, krause Federkohl-Blätter, erntereif im Winter

Federkohl statt importiertes Superfood: was wirklich in den Blättern steckt

Was in Trend-Cafés als „Kale" auf der Karte steht, wächst in Schweizer Gärten seit Jahrhunderten – als Federkohl. Und roh bringt das heimische Wintergemüse pro 100 Gramm mehr Vitamin C mit als eine Orange. Ein genauer Blick lohnt sich: nicht wegen des Superfood-Labels, sondern wegen dem, was tatsächlich in den Blättern steckt.

„Kale" und Federkohl sind botanisch dasselbe Gemüse

Hinter dem englischen Trendwort steckt eine alte Bekannte: Brassica oleracea var. sabellica, in der Schweiz als Federkohl bekannt, andernorts als Grünkohl, Krauskohl oder Winterkohl. Die Pflanze gehört wie Broccoli und Blumenkohl zu den Kreuzblütlern und wird in Mitteleuropa seit Generationen kultiviert. In Norddeutschland ist das winterliche Grünkohlessen ein festes gesellschaftliches Ereignis.

In den 2010er-Jahren wurde „Kale" vor allem in den USA zum gefeierten Superfood und kehrte als Trendprodukt nach Europa zurück. Die Pflanze selbst blieb dabei unverändert. Federkohl verträgt Frost und wird traditionell erst nach den ersten kalten Nächten geerntet, weil das seinen Geschmack mildert. Seine Saison liegt im Herbst und Winter – genau dann, wenn das lokale Gemüseangebot sonst schmaler wird.

Eine der ältesten Kohlformen Europas

Federkohl ist keine Neuentdeckung, sondern gehört zu den ältesten Kulturformen des Kohls überhaupt. Die nicht kopfbildenden Blattkohle wurden im Mittelmeerraum und in Europa schon in der Antike angebaut und sind deutlich älter als der später gezüchtete Kopfkohl. Über die Jahrhunderte entstanden zahlreiche regionale Varianten – vom krausen Federkohl über den dunklen Palmkohl (in Italien als Cavolo nero bekannt) bis zu robusten Landsorten, die harte Winter überstehen. In der Schweiz und in weiten Teilen Mitteleuropas war er über Generationen ein verlässliches Wintergemüse, das noch auf dem Feld stand, wenn kaum etwas anderes wuchs. Dass ausgerechnet dieses bodenständige Gemüse als globales Trendprodukt wiederentdeckt wurde, sagt mehr über Marketing als über den Nährwert – der war die ganze Zeit da.

Was „Superfood" überhaupt bedeutet – und was nicht

„Superfood" klingt nach einer Auszeichnung, ist aber kein rechtlich definierter oder geschützter Begriff. In der Europäischen Union darf das Wort auf Lebensmitteln seit 2007 nur verwendet werden, wenn es von einer zugelassenen nährwert- oder gesundheitsbezogenen Angabe begleitet wird – so regelt es die Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 über nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben. Der Hintergrund: Ohne solche Regeln liesse sich fast jedes Lebensmittel als „super" bewerben. Für die Praxis heisst das: Ob ein Gemüse nährstoffreich ist, entscheidet nicht das Etikett, sondern seine tatsächliche Zusammensetzung. Und die lässt sich bei Federkohl nüchtern in Zahlen nachlesen – ganz ohne Werbewort.

Was in 100 Gramm Federkohl steckt – und wie er im Vergleich abschneidet

Federkohl gehört zu den nährstoffdichtesten Gemüsesorten unserer Breiten. Die folgenden Werte beziehen sich auf rohen Kohl pro 100 Gramm; sie schwanken je nach Sorte, Boden, Saison und Datenbank.

Nährstoff (pro 100 g, roh) Federkohl Zum Vergleich
Vitamin C rund 90–120 mg Orange: rund 53 mg
Vitamin K rund 250–390 µg ein Mehrfaches des Referenzwerts
Calcium rund 150 mg eines der calciumreichsten Kulturgemüse
Beta-Carotin (Provitamin A) reichlich wie in Karotten
Lutein und Zeaxanthin reichlich unter den grünblättrigen Spitzenquellen
Eisen rund 1,5 mg für ein Blattgemüse beachtlich
Protein rund 3–4 g viel für ein Gemüse

Vitamin C nutzt der Körper unter anderem für die Kollagenbildung; Vitamin K ist an der Blutgerinnung beteiligt; Beta-Carotin wandelt der Körper bei Bedarf in Vitamin A um. Lutein und Zeaxanthin reichern sich im gelben Fleck der Netzhaut an – die Forschung untersucht ihre Rolle für das Auge. Das sind allgemeine physiologische Funktionen dieser Stoffe, kein Versprechen, was der Verzehr von Federkohl im Einzelfall bewirkt.

Warum die Zubereitung darüber entscheidet, was ankommt

Der oft zitierte Vitamin-C-Vergleich gilt für rohen Federkohl. Vitamin C und Folat sind empfindlich gegenüber Hitze, Licht und Sauerstoff. Traditionell wird Federkohl lange gegart, teils über eine Stunde – das reduziert einen Teil dieser hitzelabilen Vitamine deutlich. Wer möglichst viel behalten möchte, gart kurz und schonend oder verwendet tiefgekühlte Ware, die direkt nach der Ernte schockgefroren wird und dabei einen Grossteil der Vitamine behält.

Roh lässt sich Federkohl als Salat zubereiten; die festen Blätter werden zarter, wenn man sie mit etwas Öl „massiert". Ein Fettanteil im Gericht ist ohnehin sinnvoll, denn die fettlöslichen Carotinoide wie Beta-Carotin und Lutein nimmt der Körper mit etwas Öl besser auf.

Praktisch beim Einkauf und in der Küche: Frischer Federkohl hält sich, in ein feuchtes Tuch geschlagen und im Gemüsefach gelagert, einige Tage. Vor der Zubereitung schneidet man die krausen Blätter vom festen Mittelstrunk ab, der zäh bleibt. Neben Salat, kurzem Dünsten und der klassischen Beilage eignen sich die Blätter auch für Suppen und Eintöpfe oder – im Ofen knusprig gebacken – als Chips. Tiefgekühlte Ware lässt sich direkt weiterverarbeiten.

Beim Calcium zählt nicht nur die Menge, sondern die Aufnahme

Ein hoher Nährstoffgehalt sagt noch nichts darüber aus, wie viel davon der Körper tatsächlich verwerten kann. Bei Calcium ist Federkohl hier im Vorteil: Er ist calciumreich und zugleich oxalsäurearm (unter 10 mg pro 100 g). Oxalsäure bindet Calcium und erschwert die Aufnahme – der Grund, warum das reichlich vorhandene Calcium in Spinat schlecht verfügbar ist.

Kleine Humanstudien mit isotopenmarkiertem Calcium haben das untersucht: In einer kontrollierten Untersuchung an elf Frauen wurde Calcium aus Federkohl gut aufgenommen – vergleichbar gut wie aus Milch (Heaney & Weaver, 1990). Eine Folgestudie an fünfzehn Frauen bestätigte für Federkohl eine Absorptionsrate von rund der Hälfte des enthaltenen Calciums (Heaney et al., 1993). Beides sind kleine, aber methodisch saubere Studien am Menschen; die Aussage ist richtungssicher, auch wenn Einzelwerte je nach Person schwanken.

Regional statt eingeflogenes Trend-Grün

Der praktische Vorteil des Federkohls liegt in seiner Herkunft: Als heimisches Wintergemüse wächst er in der Schweiz und in Europa, statt weite Strecken zu reisen. In der kalten Jahreszeit gibt es ihn frisch; ausserhalb der Saison liefert tiefgekühlte, direkt nach der Ernte schockgefrorene Ware einen Grossteil der Nährstoffe – anders als viele importierte „Superfood"-Blattgrüns und -Pulver mit langen Transportwegen. Für eine ähnliche Nährstoffdichte braucht es kein exotisches Trendprodukt.

Sicherheit und Anwendung

Als Lebensmittel ist Federkohl für die meisten Menschen unbedenklich. Ein Punkt verdient dennoch Aufmerksamkeit: Der sehr hohe Vitamin-K-Gehalt ist für Personen relevant, die blutgerinnungshemmende Medikamente vom Typ der Vitamin-K-Antagonisten einnehmen. Wichtig ist dann weniger der Verzicht als eine gleichmässige Zufuhr; die Dosierung wird ärztlich auf die übliche Ernährung eingestellt. Wer solche Medikamente nimmt, bespricht grössere Mengenänderungen mit der Ärztin oder dem Arzt.

Wie alle Kreuzblütler enthält Federkohl Glucosinolate. In sehr grossen Mengen und roh verzehrt können diese bei empfindlichen Personen die Schilddrüse beeinflussen; in üblichen Verzehrmengen ist das kein Thema. Vor der Zubereitung gründlich waschen. Als normaler Bestandteil einer abwechslungsreichen Ernährung ist Federkohl auch in Schwangerschaft und Stillzeit sowie für Kinder üblicherweise unproblematisch.

Fazit: ein bodenständiges Gemüse mit realen inneren Werten

Das „Superfood"-Label ist Marketing – die Nährstoffdichte des Federkohls ist es nicht. Er liefert reichlich Vitamin C, aussergewöhnlich viel Vitamin K, gut verfügbares Calcium und eine Reihe sekundärer Pflanzenstoffe, und das als heimisches Wintergemüse mit kurzen Wegen. Entscheidend ist die Zubereitung: Je schonender, desto mehr der hitzeempfindlichen Vitamine bleibt erhalten. Was gut belegt ist, ist die Nährstoffdichte und die Verfügbarkeit des Calciums; offen bleibt vieles, was Werbung exotischen Trendprodukten pauschal zuschreibt. Für einen nährstoffreichen Teller im Winter braucht es keinen Import.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische oder ernährungstherapeutische Beratung. Bei bestehenden Erkrankungen oder der Einnahme von Medikamenten – insbesondere blutgerinnungshemmenden Mitteln – holen Sie vor grösseren Ernährungsumstellungen fachlichen Rat ein.

Quellen

  • USDA FoodData Central – Kale, raw. fdc.nal.usda.gov
  • USDA FoodData Central – Oranges, raw. fdc.nal.usda.gov
  • Heaney RP, Weaver CM. Calcium absorption from kale. Am J Clin Nutr 1990;51:656–657 (Humanstudie). ajcn.nutrition.org
  • Heaney RP, Weaver CM, Hinders S, Martin BR, Packard PT. Absorbability of calcium from Brassica vegetables: broccoli, bok choy, and kale. J Food Sci 1993;58:1378–1380 (Humanstudie). ift.onlinelibrary.wiley.com
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