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Natura Nova – traditionelle europäisch bewährte Rezepturen
Natura Nova – traditionell europäisch bewährte Rezepturen

Natura Nova

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Reife rote Hagebutten der Hundsrose (Rosa canina) am Strauch im Herbstlicht

Hagebutte: was von der Vitamin-C-Frucht wirklich in der Tasse ankommt

Im Herbst leuchten sie an jedem zweiten Feldweg: die roten Früchte der Hundsrose. Kaum jemand sammelt sie noch, obwohl sie zu den vitamin-C-reichsten Pflanzen Europas gehören. Und ausgerechnet die Frage, wie viel davnatura noon am Ende in der Tasse landet, hat die Forschung in den letzten Jahren am meisten beschäftigt.

Die Hagebutte ist eine der wenigen Pflanzen, die fast jeder kennt, ohne sie je bewusst betrachtet zu haben. Sie wächst an Waldrändern, in Hecken, an Bahndämmen. Sie ist im Kinderbuch, im Volkslied und im Juckpulver der Pausenhöfe verankert. Und sie war jahrhundertelang ein selbstverständlicher Teil der Vorratshaltung, bevor Zitrusfrüchte das ganze Jahr über verfügbar wurden.

Warum die Hagebutte botanisch gar keine Frucht ist

Was wir als Hagebutte pflücken, ist streng genommen keine Frucht, sondern eine Scheinfrucht. Der leuchtend rote, fleischige Körper ist der umgewandelte Blütenboden der Rose – Fachleute sprechen vom Hypanthium. Die eigentlichen Früchte sitzen darin: kleine, harte Nüsschen, die von jenen feinen Härchen umgeben sind, die Generationen von Kindern als Juckpulver verwendet haben.

Die botanische Bezeichnung für das Sammelgut lautet entsprechend Rosae pseudo-fructus – Rosen-Scheinfrucht. In der Fachliteratur wird unterschieden zwischen der Schale ohne Nüsschen und der ganzen Scheinfrucht mit Nüsschen. Der Unterschied ist nicht akademisch: Die beiden Teile haben eine deutlich unterschiedliche Zusammensetzung, und die Studien, die es zur Hagebutte gibt, beziehen sich meist ausdrücklich auf das eine oder das andere.

Hinter dem Namen Hagebutte steht keine einzelne Art. Die Hundsrose (Rosa canina) ist die bekannteste und in Mitteleuropa häufigste, aber es gibt Dutzende weiterer Wildrosen, deren Scheinfrüchte ebenso verwendet werden. Auch das wird noch wichtig.

Buttenmost: wie eine Solothurner Dorfspezialität nach Basel kam

Dass die Hagebutte in der Schweiz eine eigene Geschichte hat, ist wenig bekannt. Im solothurnischen Hochwald, einem Dorf südlich von Basel, entstand Mitte des 19. Jahrhunderts eine Spezialität, die es bis ins Inventar des kulinarischen Erbes der Schweiz geschafft hat: der Buttenmost, ein rohes, dickflüssiges Mus aus Hagebutten und Wasser.

Der Überlieferung nach brachte Maria-Josepha Vögtli das Rezept von einem Haushaltslehreaufenthalt in Zürich mit nach Hochwald. Andere Bauernfamilien übernahmen es, und 1852 fuhr die erste Hochwaldnerin mit Ross und Wagen nach Basel, um dort Buttenmost zu verkaufen. Später gingen die Frauen zu Fuss, das Holzgefäss auf dem Kopf, von Haus zu Haus.

Verarbeitet wurde von Hand: Die Hagebutten kamen auf ein Holzbrett und wurden mit einem Holzhammer zerklopft – daher der bis heute gebräuchliche Übername der Hochwaldner, «Buttenklopfer». Lederhandschuhe gehörten dazu, denn die Härchen im Inneren reizen die Haut erheblich. Um 1910 stellten rund dreissig bis vierzig Familien Buttenmost her; heute sind es noch zwei, bei etwa gleichbleibender Menge. Die Saison läuft, damals wie heute, von September bis November.

Ein Detail aus dieser Handwerkstradition verdient besondere Aufmerksamkeit: Die frischen Hagebutten werden zuerst eingefroren. Die Kälte macht die Früchte weicher, das Fleisch löst sich leichter, die Ausbeute steigt. Diese rein praktische Erfahrung deckt sich mit einer Beobachtung, die die Laborforschung erst viel später beschrieben hat.

Vitamin C: warum die Werte so weit auseinanderliegen

Die Hagebutte gilt als eine der ergiebigsten pflanzlichen Vitamin-C-Quellen Europas. Was in populären Darstellungen aber selten auftaucht: Die tatsächlichen Gehalte schwanken so stark, dass eine einzelne Zahl kaum aussagekräftig ist.

Eine 2026 in der Fachzeitschrift ACS Omega veröffentlichte Analyse hat die Scheinfrüchte von vierzehn Rosenarten untersucht und Ascorbinsäure-Gehalte zwischen 0.26 und 5.57 Prozent des Trockengewichts gemessen – ein Unterschied um mehr als das Zwanzigfache, allein zwischen den Arten. Die Hundsrose lag dabei im oberen Mittelfeld, mit 2.50 bis 3.70 Prozent je nach Erntejahr. In der übrigen Literatur werden für frische Hagebutten Werte von etwa 180 bis über 900 Milligramm pro 100 Gramm berichtet.

Interessant ist, woran die Unterschiede hängen. Dieselbe Untersuchung fand innerhalb ein und desselben Strauchs messbare Abweichungen: Früchte an der Süd- und Westseite enthielten mehr Ascorbinsäure als jene an der Nordseite, und Früchte aus den unteren Zweigen weniger als solche aus der Mitte und der Krone. Wer Hagebutten sammelt, erntet also je nach Griff ein anderes Produkt – ein hübscher Beleg dafür, wie unmittelbar Sonnenlicht in die Zusammensetzung einer Pflanze hineinwirkt.

Was Trocknung und Aufguss vom Vitamin C übrig lassen

Hier wird es für alle praktisch relevant, die Hagebutten als Tee trinken. Ascorbinsäure ist empfindlich – aber nicht auf die Weise, wie man gemeinhin annimmt. Nicht Hitze allein ist das Problem, sondern vor allem lange Einwirkzeit und Sauerstoffkontakt.

Die genannte Analyse hat Hagebutten bei Temperaturen von 20 bis 120 Grad getrocknet und den Gehalt jeweils gemessen. Das Ergebnis fiel gegen die Intuition aus: Am meisten Ascorbinsäure blieb bei einer kurzen Trocknung um 80 Grad erhalten. Bei 20 und 40 Grad – also bei schonender, langsamer Lufttrocknung – lagen die Werte deutlich tiefer, weil die Früchte über Tage hinweg dem Sauerstoff ausgesetzt waren. Bei 100 Grad und darüber zersetzte sich die Ascorbinsäure ebenfalls, und die Früchte wurden schwarz.

Und das Einfrieren, das die Hochwaldner Bäuerinnen aus rein handwerklichen Gründen praktizieren? Nach einem Jahr bei minus 18 Grad war der Ascorbinsäure-Gehalt gegenüber frisch getrockneten Früchten unverändert. Die traditionelle Praxis erweist sich damit nachträglich als das schonendste Verfahren überhaupt.

Am aufschlussreichsten ist jedoch der Blick ins Regal. Von fünfzehn untersuchten Handelsprodukten enthielt knapp die Hälfte keine nachweisbare Ascorbinsäure mehr. Unter den übrigen lagen der niedrigste und der höchste Wert um das Achtundzwanzigfache auseinander, und selbst zwischen verschiedenen Chargen desselben Herstellers zeigten sich deutliche Unterschiede. Ob das Produkt als ganze Frucht oder als Teebeutel vorlag, spielte dabei keine erkennbare Rolle – entscheidend waren Verarbeitung und Lagerung.

Für die Zubereitung zu Hause hat dieselbe Untersuchung fünf Methoden verglichen. Am meisten Ascorbinsäure ging in Lösung, wenn die zerkleinerten Hagebutten fünfzehn Minuten lang gekocht wurden. Ein einfacher Aufguss – ob fünf Minuten oder fünfundvierzig – brachte keinen zusätzlichen Gewinn. Die Erklärung liegt im dichten Gewebe der Scheinfrucht, das sich erst unter anhaltender Hitze wirklich öffnet.

Galaktolipide: der Inhaltsstoff neben dem Vitamin C

Die Hagebutte ist mehr als eine Vitamin-C-Quelle. 2003 isolierte eine dänische Arbeitsgruppe aus getrockneten und gemahlenen Früchten der Hundsrose ein Galaktolipid – ein Molekül aus einem Zuckerbaustein und zwei mehrfach ungesättigten Fettsäuren. In vitro hemmte diese Substanz die Wanderung menschlicher weisser Blutkörperchen, ohne die Zellen zu schädigen. Die Autoren vermuteten, dass sie einen Teil dessen erklären könnte, was traditionell an Hagebuttenzubereitungen beobachtet wurde.

Das ist eine Laborbeobachtung an Zellen, kein Befund am Menschen. Sie ist aber der Ausgangspunkt für die Studien, die danach folgten – und sie erklärt, warum in der Forschung meist mit Zubereitungen gearbeitet wird, die Schale und Nüsschen gemeinsam enthalten. Die fettlöslichen Bestandteile sitzen nicht nur im Fruchtfleisch.

Was die Studien zu Hagebuttenpulver und Gelenken zeigen

Der am besten untersuchte Bereich ist der Bewegungsapparat. 2005 erschien im Scandinavian Journal of Rheumatology eine randomisierte, doppelblinde und placebokontrollierte Cross-over-Studie mit 94 Personen mit Arthrose an Knie oder Hüfte. Die Teilnehmenden nahmen über drei Monate täglich fünf Gramm eines standardisierten Pulvers aus Schalen und Nüsschen der Hundsrose ein, danach wechselten die Gruppen. Erfasst wurden Schmerz, Steifigkeit und Beweglichkeit über einen etablierten Fragebogen sowie der Bedarf an Begleitmedikation.

2008 fasste eine Metaanalyse in Osteoarthritis and Cartilage drei solche Studien mit insgesamt 287 Teilnehmenden zusammen. Sie beschrieb einen kleinen bis mässigen Effekt auf die Schmerzwerte gegenüber Placebo. Die Autoren wiesen zugleich darauf hin, dass alle drei eingeschlossenen Studien vom selben Hersteller unterstützt wurden und die Teilnehmerzahlen klein blieben – weshalb sie grössere und längere Untersuchungen für nötig hielten. Ein systematischer Überblick aus demselben Jahr in Phytotherapy Research ordnete die Datenlage zur Hundsrose insgesamt ähnlich ein.

Für die Praxis ist eine Einordnung wichtig, die in Ratgebertexten oft untergeht: Diese Studien arbeiteten mit fünf Gramm eines standardisierten Pulvers pro Tag, das Schalen und Nüsschen enthält und auf seine Inhaltsstoffe hin hergestellt wird. Ein Teeaufguss ist damit nicht vergleichbar – weder in der Menge noch im Spektrum der gelösten Stoffe. Wer Hagebuttentee trinkt, trinkt ihn wegen seines Geschmacks, seiner Fruchtsäuren und seines Beitrags zur täglichen Flüssigkeitsaufnahme, nicht als Ersatz für die Zubereitungen aus diesen Untersuchungen.

Die Hagebutte auf einen Blick

Botanischer Name Rosa canina L. und weitere Wildrosenarten (Rosaceae)
Verwendeter Teil Scheinfrucht (Rosae pseudo-fructus), mit oder ohne Nüsschen
Erntezeit September bis November, teils bis in den Winter hinein
Charakteristische Inhaltsstoffe Ascorbinsäure, Carotinoide (u. a. Lycopin, Lutein), Flavonoide, Gerbstoffe, Pektine, Fruchtsäuren, Galaktolipide
Ascorbinsäure-Gehalt Stark schwankend; bei Rosa canina 2.5 bis 3.7 Prozent des Trockengewichts gemessen
Traditionelle Zubereitungen Tee, Mus und Konfitüre, Sirup, Likör, Suppe
Regulatorischer Stand Qualitätsmonografie im Europäischen Arzneibuch; bislang keine EU-Pflanzenmonografie des HMPC zur Scheinfrucht

Sammeln und verarbeiten: worauf zu achten ist

Die Hagebutte ist unkompliziert, aber sie hat eine Eigenheit, die man kennen sollte. Die feinen Härchen um die Nüsschen sind mit widerhakenartigen Strukturen besetzt und reizen Haut und Schleimhäute mechanisch. Wer frische Früchte verarbeitet, arbeitet deshalb sinnvollerweise mit Handschuhen und passiert das Mark durch ein feines Sieb – genau das machen die Hochwaldner Produzentinnen bis heute im letzten Arbeitsschritt. In gewerblich hergestellten Tees und Pulvern ist dieser Schritt bereits erfolgt.

Sammeln lässt sich abseits stark befahrener Strassen und gedüngter Flächen; die Früchte werden nach dem ersten Frost milder und weicher. Verwechslungen sind kaum möglich, da keine ähnlich aussehende einheimische Pflanze am Rosenstrauch wächst.

Hagebutte als Tee gilt als gut verträglich und ist koffeinfrei, weshalb sie traditionell auch Kindern und abends angeboten wird. Wer regelmässig Medikamente einnimmt, schwanger ist oder stillt, bespricht die Anwendung von konzentrierten Zubereitungen wie Pulvern oder Extrakten sinnvollerweise vorab in der Arztpraxis oder Apotheke. Für die Scheinfrucht liegt bislang keine EU-Pflanzenmonografie des zuständigen EMA-Ausschusses vor; publiziert ist lediglich eine Monografie zu den Blüten anderer Rosenarten.

Zwei Zutaten, ein leuchtend roter Aufguss

Der Raselli Bio Hagebuttentee verbindet Hagebutte (Rosa canina) mit Hibiskusblüte – eine Kombination, die im Früchtetee nicht ohne Grund zum Klassiker geworden ist. Die Hagebutte bringt die fruchtige Tiefe, die Hibiskusblüte den säuerlichen Akzent und die charakteristische Farbe. Ohne Aromen, ohne Zusatzstoffe.

Beide Rohstoffe stammen aus biologisch zertifiziertem Anbau: die Hagebutte aus Südamerika, die Hibiskusblüte aus Afrika. Verarbeitet und abgefüllt wird im Valposchiavo in Graubünden, wo die Familie Raselli seit 1991 biologischen Kräuteranbau betreibt. Der Tee kommt als Beutel, 20 Stück à 1.8 Gramm, koffeinfrei – warm zu jeder Tageszeit oder kalt aufgegossen als Eistee mit natürlicher Farbe.

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Fazit

Die Hagebutte ist ein seltener Fall: eine Pflanze, bei der die handwerkliche Erfahrung und die spätere Laboranalyse zum selben Ergebnis kommen. Die Bäuerinnen im Schwarzbubenland frieren ihre Hagebutten seit Jahrzehnten ein, weil sich das Fleisch dann besser löst – und die Messung bestätigt, dass genau dieser Weg die Ascorbinsäure am besten bewahrt. Sie tragen Handschuhe und sieben die Härchen heraus, weil sie es anders nicht aushalten – und die Botanik erklärt, warum.

Was die Forschung darüber hinaus zeigt, ist vor allem eines: Bei der Hagebutte lohnt sich der Blick auf Herkunft und Verarbeitung mehr als bei den meisten anderen Pflanzen. Zwischen einer sorgfältig getrockneten Charge und einer, die zu lange oder zu heiss behandelt wurde, liegen Welten. Wer im September an einer Hecke vorbeikommt, hat es selbst in der Hand – und eine Tasse leuchtend roten Aufguss ist auch dann eine gute Sache, wenn man gar nicht nachrechnet, was genau darin gelöst ist.


Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information über die Hagebutte und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bei gesundheitlichen Beschwerden wenden Sie sich bitte an eine Ärztin, einen Arzt oder eine Apotheke.


Quellen

  • Raal A, Meos A, Ainsaar I et al. Species- and Processing-Dependent Variability of Ascorbic Acid in Fruits of 14 Rosa Species and its Redox Behavior toward Iron and Copper Ions. ACS Omega. 2026;11(22):32460–32468. doi:10.1021/acsomega.6c00617 (PMID 42294170)
  • Larsen E, Kharazmi A, Christensen LP, Christensen SB. An antiinflammatory galactolipid from rose hip (Rosa canina) that inhibits chemotaxis of human peripheral blood neutrophils in vitro. Journal of Natural Products. 2003;66(7):994–995. doi:10.1021/np0300636 (In-vitro-Studie)
  • Winther K, Apel K, Thamsborg G. A powder made from seeds and shells of a rose-hip subspecies (Rosa canina) reduces symptoms of knee and hip osteoarthritis: a randomized, double-blind, placebo-controlled clinical trial. Scandinavian Journal of Rheumatology. 2005;34(4):302–308. doi:10.1080/03009740510018624 (RCT, Mensch)
  • Christensen R, Bartels EM, Altman RD, Astrup A, Bliddal H. Does the hip powder of Rosa canina (rosehip) reduce pain in osteoarthritis patients? A meta-analysis of randomized controlled trials. Osteoarthritis and Cartilage. 2008;16(9):965–972. doi:10.1016/j.joca.2008.03.001 (Metaanalyse)
  • Chrubasik C, Roufogalis BD, Müller-Ladner U, Chrubasik S. A systematic review on the Rosa canina effect and efficacy profiles. Phytotherapy Research. 2008;22(6):725–733. doi:10.1002/ptr.2400 (Systematische Übersicht)
  • Verein Kulinarisches Erbe der Schweiz. Buttenmost. Inventar des kulinarischen Erbes der Schweiz. patrimoineculinaire.ch
  • European Medicines Agency, Committee on Herbal Medicinal Products. Rosae flos – herbal medicinal product. ema.europa.eu
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