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Natura Nova – traditionelle europäisch bewährte Rezepturen
Natura Nova – traditionell europäisch bewährte Rezepturen

Natura Nova

Entdecke Natura Nova: sorgfältig zusammengestellte Rezepturen auf Basis traditionell bewährter europäischer Kräuter.

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Frisches Ingwer-Rhizom (Zingiberis rhizoma) auf Holzuntergrund, aufgeschnitten

Ingwer steht in jedem Haushalt – aber was macht ihn zur Arzneipflanze des Jahres 2026?

Ingwer ist das bekannteste Gewürz der Welt und gleichzeitig eine der am häufigsten unterschätzten Heilpflanzen. Fast jeder hat ihn in der Küche, kaum jemand weiss genau, was in ihm steckt. Dabei ist Zingiber officinale seit über 2000 Jahren ununterbrochen in der europäischen Medizin dokumentiert – und gerade erst 2025 von der Europäischen Arzneimittel-Agentur in seinen Anwendungsgebieten erweitert worden. Genau das hat ihn zur Arzneipflanze des Jahres 2026 gemacht.

Seit der Antike in Europa – eine Pflanze mit 2000 Jahren Dokumentation

Ingwer stammt nicht aus Europa. Die Pflanze ist in Südostasien beheimatet und wird seit Jahrtausenden in Indien, China und Indonesien kultiviert. Dennoch ist sie eine der wenigen Pflanzen, die seit der Antike ohne Unterbruch in der europäischen Medizin nachweisbar sind – was sie von vielen modernen Trendpflanzen grundlegend unterscheidet.

Bereits in der griechisch-römischen Medizin wurde Ingwer als «erwärmend, verdauungsfördernd, milde den Stuhl anregend und magenstärkend» beschrieben. Dioskurides, Galen und Celsus führten ihn in ihren Schriften. Im Mittelalter gehörte er zur Grundausstattung der Klosterapotheken – Hildegard von Bingen setzte ihn im 12. Jahrhundert bei Beschwerden des Magen-Darm-Traktes ein.

Diese Kontinuität ist medizinhistorisch relevant: Eine Pflanze, die über zwanzig Jahrhunderte in wechselnden kulturellen und wissenschaftlichen Kontexten immer wieder eingesetzt wurde, hat einen empirischen Erfahrungsschatz angesammelt, den keine Laborstudie allein ersetzen kann. Der Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde, der gemeinsam mit der Gesellschaft für Phytotherapie die Kürung vornahm, betonte neben der langen arzneihistorischen Nutzung ausdrücklich die aktuelle Neubewertung durch den HMPC der EMA als ausschlaggebenden Faktor.

Gingerol, Shogaol, Zingeron – was Ingwer wirksam macht

Der medizinisch genutzte Teil der Ingwerpflanze ist das Rhizom – botanisch auch Ingwerwurzelstock (Zingiberis rhizoma) genannt. Was im Alltag als «Ingwerwurzel» gilt, ist streng genommen kein Wurzelwerk, sondern ein unterirdischer Spross, der Nährstoffe und Wirkstoffe speichert. Die Bezeichnung «Ingwerwurzelstockpulver», wie sie auf Nahrungsergänzungsmitteln erscheint, meint schlicht das getrocknete und gemahlene Rhizom – also genau das, was man im Supermarkt als frischen Ingwer kauft. Im frischen Rhizom sind die Wirkstoffe in anderer Zusammensetzung vorhanden als im getrockneten – ein Unterschied, der für die Wirkung relevant ist.

Wirkstoffklasse Hauptvertreter Eigenschaften
Gingerole 6-Gingerol (Leitsubstanz) Entzündungshemmend, antiemetisch, antioxidativ
Shogaole 6-Shogaol Aus Gingerolen bei Trocknung entstanden; stärker entzündungshemmend als frische Variante
Zingeron Scharfstoff; wärmendes Wirkprofil, antioxidativ
Ätherische Öle Zingiberen, Bisabolen Karminativ, verdauungsfördernd

Der wichtigste Wirkmechanismus betrifft das Entzündungsgeschehen: Gingerol, Shogaol und Zingeron hemmen die Cyclooxygenase 2 (COX-2) und die Lipoxygenase (LOX), reduzieren damit die Produktion von Prostaglandinen und Leukotrienen und greifen zusätzlich in den NF-κB-Signalweg ein – einen zentralen Regulator entzündlicher Prozesse. Das sind dieselben Zielorte, auf die auch nicht-steroidale Antirheumatika wirken – wenngleich mit anderer Stärke und Selektivität.

Was die EMA 2025 neu entschieden hat – und warum das die Kürung erklärt

Der eigentliche Nachrichtenwert hinter der Kürung zur Arzneipflanze 2026 liegt nicht in der Tradition, sondern in einem regulatorischen Schritt: Der HMPC der Europäischen Arzneimittel-Agentur hat 2025 seine Bewertung des Ingwers aktualisiert und drei neue Anwendungsgebiete als «traditional use» aufgenommen: vorübergehende Appetitlosigkeit, Linderung leichter Gelenkschmerzen sowie Linderung von Erkältungssymptomen.

«Traditional use» bedeutet im EU-Arzneimittelrecht nicht «historisch überliefert», sondern etwas Präziseres: Eine Anwendung gilt als «traditional use», wenn sie mindestens 30 Jahre dokumentiert ist, davon mindestens 15 Jahre innerhalb der EU, und wenn keine Gesundheitsgefahren bekannt sind. Es ist damit ein regulatorischer Qualitätsbegriff, kein folkloristischer.

Daneben bestätigt die aktualisierte Monographie die bereits anerkannte Anwendung bei Reisekrankheit als «well-established use» – also mit noch robusterer Datenbasis. Die Gesamtübersicht der nun anerkannten Anwendungsgebiete:

Kategorie Anwendung
Well-established use Prävention von Übelkeit und Erbrechen bei Reisekrankheit
Traditional use (bestehend) Linderung der Symptome der Reisekrankheit; leichte krampfartige Magen-Darm-Beschwerden mit Blähungen
Traditional use (neu 2025) Vorübergehende Appetitlosigkeit; leichte Gelenkschmerzen; Erkältungssymptome

Übelkeit – die stärkste und gleichzeitig differenzierteste Evidenz

Für kaum ein pflanzliches Mittel ist die antiemetische Wirkung so häufig untersucht worden wie für Ingwer. Die Gesamtlage zeigt ein differenziertes Bild.

Ein 2025 publizierter systematischer Review in Frontiers in Pharmacology (Paudel et al., 2025) fasste Meta-Analysen der letzten 15 Jahre zusammen. Für Schwangerschaftsübelkeit zeigte Ingwer eine statistisch signifikante Verbesserung der Nausea-Symptome gegenüber Placebo – bei gleichzeitig keinem signifikanten Effekt auf die Häufigkeit des Erbrechens. Für postoperative Übelkeit zeigen ältere Studien eine Wirksamkeit vergleichbar mit dem Standardmittel Metoclopramid, wenngleich gepoolte Analysen die Effektgrösse abschwächen.

Die beste Datenlage besteht laut Studienkreis für gastrointestinale Effekte, Schwangerschaftsübelkeit und als Adjuvans bei Chemotherapie-induzierter Übelkeit. Für Reisekrankheit ist die Studienlage hingegen nicht einheitlich – was der Studienkreis bei der Kürung ausdrücklich transparent kommunizierte. Das ist ein bemerkenswerter Schritt: Eine offizielle Pflanzenkürung, die die Grenzen der Evidenz benennt, verdient mehr Vertrauen als eine, die das nicht tut.

Der Wirkmechanismus hinter der antiemetischen Wirkung ist noch nicht vollständig geklärt. Diskutiert werden eine direkte Wirkung auf die glatte Muskulatur des Magen-Darm-Trakts sowie ein Einfluss auf Serotonin-Rezeptoren (5-HT3), die auch bei Chemotherapie-induzierter Übelkeit eine zentrale Rolle spielen.

Entzündungshemmung und Gelenke – was aktuelle Meta-Analysen zeigen

Die 2025 erfolgte Aufnahme leichter Gelenkschmerzen in die EMA-Monographie stützt sich auf den gut dokumentierten Entzündungsmechanismus von Ingwer. Der oben genannte Review von Paudel et al. (2025) fasste die Entzündungsmarker-Daten zusammen: Ingwer-Supplementierung war mit signifikanten Reduktionen von CRP (C-reaktivem Protein), hochsensitivem CRP sowie Tumornekrosefaktor-alpha assoziiert – anerkannte Biomarker entzündlicher Prozesse.

Eine 2024 im International Journal of Molecular Sciences publizierte Studie (Boarescu et al., 2024) untersuchte die Kombination von Ingwerwurzel-Extrakt mit Diclofenac und zeigte eine synergistische Verstärkung der entzündungshemmenden Wirkung gegenüber dem Arzneimittel allein – ein Hinweis darauf, dass Ingwer als ergänzender Baustein in entzündlichen Kontexten pharmakologisch relevant sein kann, nicht nur als Ersatz.

Wichtige Einordnung: Die neu aufgenommene EMA-Indikation bezieht sich auf leichte Gelenkschmerzen. Für mittelschwere bis schwere Arthrose oder entzündlich-rheumatische Erkrankungen gibt es keine ausreichende klinische Evidenz für Ingwer als Primärtherapie. Das ist kein Manko – es ist eine präzise Eingrenzung des tatsächlich belegten Anwendungsbereichs.

Die Qualitätsfrage – und warum sie bei Ingwer besonders wichtig ist

Eine der schärfsten Beobachtungen rund um die Kürung kam vom Studienkreis selbst: In einer Untersuchung von handelsüblichen Nahrungsergänzungsmitteln mit Ingwer schwankten die Gehalte an Gingerol – dem Leitmarker für Wirkstoffgehalt – zwischen 0,0 und 9,43 Milligramm pro Gramm. Das bedeutet: Manche Produkte enthalten praktisch keinen messbaren Wirkstoff, andere ein Vielfaches. Wer ohne Deklaration des Gingerol-Gehalts kauft, weiss schlicht nicht, was er einnimmt.

Hinzu kommt die Unterscheidung zwischen frischem und getrocknetem Ingwer: Beim Trocknungsprozess werden Gingerole teilweise zu Shogaolen umgewandelt, die eine andere und teils stärkere pharmakologische Aktivität aufweisen. Frischer Ingwertee und standardisierter Trockenextrakt sind damit nicht dasselbe – weder in der Zusammensetzung noch in der Wirkung.

Für die Praxis bedeutet das: Ein seriöses Ingwer-Präparat weist den Gingerol-Gehalt analytisch nach und standardisiert ihn im Endprodukt. Produkte ohne diese Angabe können wirksam sein – müssen es aber nicht.

Praktische Einordnung: Was Ingwer leistet – und für wen er geeignet ist

Ingwer ist kein Ersatz für ärztlich verordnete Antiemetika, keine Alternative zu einer Arthrose-Therapie und kein Erkältungsmittel im klinischen Sinne. Was er ist: eine der bestdokumentierten Heilpflanzen Europas mit einem breiten, gut verträglichen Wirkprofil – dessen Grenzen inzwischen klarer gezogen sind als je zuvor.

Die EMA-Neubewertung 2025 ist dabei nicht als Aufwertung zu verstehen, sondern als Präzisierung: Ingwer darf jetzt offiziell für leichte Gelenkschmerzen, Erkältungssymptome und Appetitlosigkeit beworben werden – auf Basis von mindestens 30 Jahren dokumentierter Anwendung ohne bekannte Risiken. Das ist ein anderes Fundament als ein einziger positiver Studienausgang.

Wer Ingwer als Teil einer pflanzlichen Kombination einsetzen möchte, findet ihn in der europäischen Kräuterheilkunde häufig gemeinsam mit Rosmarin, Pfefferminze und Thymian – Pflanzen, die in der Klostermedizin ebenfalls dem Bereich Kreislauf, Wärme und Belebung zugeordnet wurden und sich in ihrer Wirkcharakteristik sinnvoll ergänzen.

Ingwer als Teil einer europäischen Kräuterformel

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Dieser Artikel dient ausschliesslich Informationszwecken. Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene Ernährung und gesunde Lebensweise. Bei gesundheitlichen Fragen wenden Sie sich bitte an eine ärztliche Fachperson.

Quellen

  1. Paudel KR, Orent J, Penela OG. (2025). Pharmacological properties of ginger (Zingiber officinale): what do meta-analyses say? A systematic review. Frontiers in Pharmacology, 16, 1619655. https://doi.org/10.3389/fphar.2025.1619655
  2. Boarescu I, Boarescu PM, Pop RM et al. (2024). Zingiber officinale root capsule extract synergistically enhances the anti-inflammatory effects of diclofenac sodium in experimental acute inflammation. International Journal of Molecular Sciences, 25(3), 1781. https://doi.org/10.3390/ijms25031781
  3. HMPC/EMA. (2025). Community herbal monograph on Zingiber officinale Roscoe, rhizoma (Revision). European Medicines Agency. EMA Monographien
  4. Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde / Gesellschaft für Phytotherapie. (2026). Arzneipflanze des Jahres 2026: Ingwer. Pharmazeutische Zeitung
  5. Bundesverband der Heilpraktiker (BDH). (2026). Arzneipflanze des Jahres 2026: Ingwer – Zingiber officinale. bdh-online.de
  6. Medtigo Journal. (2024). Anti-Inflammatory Effects of Zingiber officinale: A Comprehensive Review. journal.medtigo.com
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