Wenn die Hitzewallungen kommen, suchen viele Frauen nach sanften Alternativen zur Hormonersatztherapie. Rotklee (Trifolium pratense) mit seinen östrogenähnlichen Isoflavonen gilt als vielversprechende pflanzliche Option. Doch die Studienlage ist komplexer, als es die Werbung verspricht. Während einige Untersuchungen eine deutliche Linderung zeigen, konnten andere keinen Unterschied zu Placebo feststellen. Ein Überblick über die aktuelle Forschung und worauf es bei der Anwendung ankommt.
Die Pflanzenstoffe: Wie Rotklee im Körper wirkt
Rotklee, auch Wiesenklee genannt, gehört zu den Hülsenfrüchten und enthält in seinen Blättern eine grössere Menge an Isoflavonen – sekundäre Pflanzenstoffe mit schwach östrogener Wirkung . Die wichtigsten Isoflavone im Rotklee sind Genistein, Daidzein, Biochanin A und Formononetin .
Diese sogenannten Phytoöstrogene können im Körper ähnlich wie das weibliche Geschlechtshormon Östrogen wirken, allerdings deutlich schwächer. Sie binden vorwiegend an die Östrogen-β-Rezeptoren, die vor allem in nicht gonadalen Geweben wie Fett, Gehirn und Endothel vorkommen . Dadurch sollen sie den natürlichen Östrogenabfall in den Wechseljahren teilweise ausgleichen und typische Beschwerden wie Hitzewallungen lindern .
Die widersprüchliche Studienlage
Die wissenschaftliche Evidenz zur Wirksamkeit von Rotklee bei Hitzewallungen ist uneinheitlich – es gibt sowohl positive als auch negative Studienergebnisse.
Studien mit positiven Ergebnissen
Eine dänische randomisierte, doppelblinde Studie aus dem Jahr 2017 untersuchte 62 perimenopausale Frauen mit mindestens fünf Hitzewallungen pro Tag . Sie erhielten über zwölf Wochen entweder ein Rotklee-Präparat mit 34 mg Isoflavonen pro Tag oder ein Placebo. Die Ergebnisse, objektiv mittels 24-Stunden-Messung der Hautleitfähigkeit ermittelt:
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Nach drei Monaten reduzierte sich die Häufigkeit der Hitzewallungen um etwa 23 %
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Nach einem Jahr nahm die Intensität um knapp 40 % ab
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Auch die subjektiv berichtete Anzahl ging signifikant stärker zurück als in der Placebogruppe
Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2021, die randomisierte kontrollierte Studien auswertete, kam zu dem Schluss, dass Rotklee-Supplementierung über drei Monate zu durchschnittlich 1,7 Hitzewallungen weniger pro Tag führte – insbesondere bei Frauen mit mindestens fünf Hitzewallungen täglich . Eine weitere systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2016 fand ebenfalls eine tendenzielle Reduktion der Hitzewallungen, die nahe an der statistischen Signifikanz lag .
Eine 2024 veröffentlichte prospektive randomisierte placebokontrollierte Studie aus der Türkei mit 75 postmenopausalen Frauen zeigte zudem Verbesserungen der Wechseljahrsbeschwerden (gemessen mit der Menopause Rating Scale) unter einer täglichen Dosis von 80 mg Rotklee-Isoflavonen .
Studien mit negativen Ergebnissen
Dem gegenüber stehen mehrere Studien, die keinen signifikanten Effekt nachweisen konnten. Die bekannteste ist die Isoflavone Clover Extract (ICE)-Studie aus dem Jahr 2003 mit 252 Frauen, die unter mindestens 35 Hitzewallungen pro Woche litten . Nach zwölf Wochen zeigte sich:
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Promensil®-Gruppe (ca. 80 mg Isoflavone): 41 % Reduktion
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Rimostil®-Gruppe (ca. 60 mg Isoflavone): 34 % Reduktion
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Placebo-Gruppe: 36 % Reduktion
Die Unterschiede zwischen Verum- und Placebogruppe waren statistisch nicht signifikant.
Eine weitere randomisierte kontrollierte Studie aus dem Jahr 2009 mit 12-monatiger Interventionsdauer verglich Rotklee, Traubensilberkerze, Placebo und eine Hormonersatztherapie . Das Ergebnis nach einem Jahr:
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Rotklee: 57 % Reduktion der Hitzewallungen
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Placebo: 63 % Reduktion
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Hormonersatztherapie: 94 % Reduktion (einzige signifikante Abweichung)
Auch hier zeigte Rotklee keine signifikante Überlegenheit gegenüber Placebo. Die Autoren betonten jedoch, dass beide pflanzlichen Präparate über 12 Monate sicher in der Anwendung waren .
Die Rolle der hohen Placebo-Effekte
Auffällig ist in vielen Studien die hohe Placebo-Wirkung – oft zwischen 30 und 50 %. Dies erschwert den Nachweis eines echten Behandlungseffekts erheblich und ist ein bekanntes Phänomen in der Wechseljahrsforschung .
Die Metaanalyse von 2021: Was bleibt von der Evidenz?
Die bisher umfassendste Auswertung liefert die Metaanalyse von Kanadys et al. aus dem Jahr 2021, die 17 randomisierte kontrollierte Studien einbezog . Die wichtigsten Erkenntnisse:
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Rotklee-Supplementierung reduziert die Häufigkeit von Hitzewallungen signifikant, insbesondere bei Frauen mit mindestens fünf Hitzewallungen pro Tag
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Der Effekt ist moderat (etwa 1,7 Hitzewallungen weniger täglich)
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Die Wirkung hielt in Studien mit 12-monatiger Nachbeobachtung nicht an
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Über die Hälfte der eingeschlossenen Studien wurde zumindest teilweise von Herstellern finanziert, was die Ergebnisse verzerren könnte
Die Autoren schlussfolgern, dass Rotklee eine gewisse Wirksamkeit bei Hitzewallungen haben kann, aber weitere unabhängige Studien notwendig sind .
Was sagt die offizielle Bewertung?
Die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) konnte auf Basis der eingereichten wissenschaftlichen Studien keine Verbesserung von Wechseljahrsbeschwerden durch Isoflavone feststellen . Für Soja-Isoflavone sind entsprechende Wirkaussagen seit 2011 verboten. Die Bewertungen zu Rotklee stehen auf einer sogenannten "On-hold-Liste" – sie wurden von der EFSA abgeschlossen, aber von der EU noch nicht veröffentlicht .
Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass die Stiftung Warentest im August 2015 jedes der fünf getesteten Rotklee-Produkte als "wenig geeignet" bewertete. Auch ÖKO-TEST kam im Mai 2018 zu keinem besseren Ergebnis als "ausreichend" .
Worauf sollte man bei der Anwendung achten?
Trotz der uneinheitlichen Studienlage greifen viele Frauen zu Rotklee-Präparaten. Dabei sind einige wichtige Punkte zu beachten.
Qualität und Standardisierung
Ein entscheidendes Problem ist die stark schwankende Qualität der Produkte. Zusammensetzung und Dosierung der Inhaltsstoffe können sich erheblich unterscheiden . Traditionelle Arzneimittel enthalten einen standardisierten Extrakt gemäss WHO-Monografie, während Nahrungsergänzungsmittel oft nicht standardisiert sind.
Dosierungsempfehlungen
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt bei Nahrungsergänzungsmitteln mit Rotklee-Isoflavonen:
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Maximal 43,5 Milligramm Isoflavone pro Tag
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Anwendungsdauer von maximal drei Monaten nicht überschreiten
In klinischen Studien wurden meist Dosierungen zwischen 34 und 80 mg Isoflavone täglich eingesetzt .
Mögliche Nebenwirkungen und Gegenanzeigen
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Nebenwirkungen: Gelegentlich leichte Übelkeit, sehr selten Hautausschläge (Urtikaria)
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Wechselwirkungen: Mit Medikamenten möglich, z.B. mit dem Schilddrüsenhormon Thyroxin
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Absolute Kontraindikationen: Bei hormonabhängigem Brust- oder Gebärmutterkrebs nicht anwenden. Auch bei familiärer Vorbelastung nur nach ärztlicher Rücksprache
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Schwangerschaft und Stillzeit: Nicht anwenden
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Kinder und Jugendliche: Nicht anwenden
Wichtig: Informieren Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, wenn Sie Rotklee-Produkte verwenden möchten, insbesondere bei regelmässiger Einnahme anderer Medikamente .
Fazit
Rotklee ist keine Wunderwaffe gegen Hitzewallungen, aber kann für manche Frauen eine Option sein. Die Studienlage ist widersprüchlich: Während einige Untersuchungen eine moderate Reduktion der Hitzewallungen zeigen – besonders bei stärker betroffenen Frauen – konnten andere keinen Unterschied zu Placebo feststellen. Die hohen Placebo-Effekte und die häufige Herstellerfinanzierung der Studien erschweren eine abschliessende Bewertung.
Wer Rotklee ausprobieren möchte, sollte auf Qualität achten, die Dosierungsempfehlungen des BfR einhalten und die Anwendung auf drei Monate begrenzen. Bei hormonabhängigen Krebserkrankungen oder familiärer Vorbelastung ist ärztliche Rücksprache zwingend erforderlich. Die Hormonersatztherapie bleibt nach wie vor die mit Abstand wirksamste Behandlung – mit eigenen Risiken, die sorgfältig abgewogen werden müssen.
Offizielle Quellen & Studien:
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Kanadys W et al.: Metaanalyse zu Rotklee bei Hitzewallungen (Nutrients, 2021) – Examine.com
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Tice JA et al.: ICE-Studie zu Rotklee-Extrakten (JAMA, 2003) – Deutsche Apotheker Zeitung
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Geller SE et al.: RCT zu Rotklee vs. Placebo (Menopause, 2009) – PubMed
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Ghazanfarpour M et al.: Systematische Review und Metaanalyse (J Obstet Gynaecol, 2016) – QxMD
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Verbraucherzentrale Bayern: Rotklee-Isoflavone für die Menopause? (März 2025)
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Fugh-Berman A et al.: Review zu Rotklee für menopausale Frauen (Menopause, 2001) – PubMed